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7.3.2007

Neonazis stehlen Unterschriftenlisten aus der Pfarrkirche von Eslarn

Am 6.3.2007 veröffentlichte die Zeitung "Der neue Tag" einen Artikel über den dreisten Überfall von Neonazis auf die Pfarrkirche von Eslarn, bei dem Unterschriftenlisten der nonpd-Kampagne gestohlen wurden.

"Der neue Tag" ist eine regionale Tageszeitung mit Sitz in Weiden in der Oberpfalz. Wir dokumentieren den Artikel im Wortlaut.




Artikel aus: "Der neue Tag", 6.3.2007:

Neonazis holen aus Kirche Unterschriften

Bürgermeister Reiner Gäbl über Vorgehen der Rechtsextremen erschüttert - Polizei ermittelt

Eslarn. (ms) Dreister geht es wohl nicht. Mehrere Neonazis stürmten in die Katholische Pfarrkirche in Eslarn und entwendeten dort aufgelegte Unterschriftenlisten gegen die NPD. Die Polizei ermittelt wegen Diebstahls.

Die Aktion, die sich bereits am Sonntag vor einer Woche abgespielt hat, löste im Grenzmarkt Kopfschütteln, aber auch Angst aus. "Ich war erschüttert, mit welcher Skrupellosigkeit diese Leute vorgehen", sagt Bürgermeister Reiner Gäbl. "Die gehen in die Kirche rein und klauen die Unterschriftenlisten." Das zeige, dass hier ein Gefahrenpotenzial vorhanden ist, das nicht unterschätzt werden dürfe.

Der SPD-Ortsverein beteiligt sich an der bundesweiten Unterschriftenaktion "NDP jetzt verbieten". Damit soll erreicht werden, dass das Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme Partei wieder aufgenommen wird. "Da Bischof Gerhard Ludwig Müller einer der ersten Unterzeichner war, baten wir unseren Pfarrer Erwin Bauer, er möge doch die Aktion mit begleiten", berichtet Gäbl. Der Seelsorger habe bereits im Vorjahr mitgeholfen, dass die NPD in Eslarn ihr Sommerfest nicht feiern konnte.

Der Geistliche sagte sofort wieder seine Unterstützung zu und legte die Unterschriftenlisten sogar in der Kirche aus. Im 8.30-Uhr-Gottesdienst schrieben sich auch zahlreiche Gläubige in die Zettel ein. Drei Listen, so der Pfarrer, seien schon voll gewesen.

Pfarrer gedroht

Noch vor der 10.30-Uhr-Messe fuhr mindestens ein Auto mit Nürnberger Kennzeichen vor, berichten Augenzeugen. Sie wissen von fünf bis acht Personen. Wahrscheinlich drei kurzgeschorene Männer in Ledermänteln stürmten ins Gotteshaus und schnappten sich die Listen. Zudem sollen sie geäußert haben, mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer hätten sie noch ein Hühnchen zu rupfen. Da sich die Unterzeichner mit der vollen Adresse eingetragen haben, geht bei einigen jetzt die Angst um.

Der Eslarner Seelsorger meldete den Vorfall der Grenzpolizei. Der Chef der Inspektion Waidhaus, Polizeirat Robert Hausmann, bestätigte am Montag, dass seine Dienststelle wegen Diebstahls ermittle - "sehr intensiv". Die Leute seien eindeutig der rechten Szene zuzuordnen. Seine Beamten würden alles versuchen, die Täter zu ermitteln. Hausmann bittet die Bevölkerung um Mithilfe: "Wer zu dem Vorfall Informationen geben kann, soll sich bei uns melden." Die Rufnumer lautet: 09652/1890. Vor allem Angaben zu Farbe und Fabrikat des Fahrzeugs wären wichtig.

Die Grenzpolizei hat laut Hausmann über rechtsextreme Umtriebe in Eslarn keine Erkenntnisse. Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass an besagtem Wochenende der NPD-Landesvorstand in dem Grenzmarkt getagt hat. Erst nach heftigen Protesten kündigte ein Eslarner Geschäftsmann im vergangenen Jahr den Mietvertrag für ein Gelände an der Grenze. Hier sollte das Sommerfest der NPD steigen. Der "Bayerntag" wurde in Regensburg gefeiert.

"Wehret den Anfängen"

Für Sommer ist bereits eine Musikveranstaltung beantragt worden, über die man in Eslarn alles andere als glücklich ist. "Wir können sie nicht verhindern", bedauert Bürgermeister Gäbl. Die ausgewählten Bands kämen aus dem Gothic-Bereich. Gäbl: "Ich bin sehr skeptisch und beobachte das ganz genau."

Pfarrer Bauer ließ sich von der kriminellen Aktion nicht einschüchtern: "Ich ducke nicht." Er hat inzwischen neue Unterschriftenlisten aufgelegt. Es hätten sich schon wieder etliche Bürger eingetragen, informiert der 51-Jährige; er auch. "Wehret den Anfängen!", appelliert der Priester nicht nur an die Eslarner.




Kommentar aus: "Der neue Tag", 6.3.2007:

Blaulicht gegen braunen Spuk

Von Uwe Ibl

Bürger wehren sich gegen rechte Umtriebe und nehmen so die Verantwortung wahr, zu der uns die Geschichte mahnt. Mit ihrem Namen beziehen sie auf Unterschriftenlisten Stellung. Kirche und Kommune haben die Aktion gegen Neonazis in Eslarn initiiert und wurden deshalb von den Handlangern der Extremen bedroht.

Dass die braunen Schergen außerdem in eine Kirche gingen und sich zwischen zwei Gottesdiensten die Listen schnappten, ist ein weiterer krimineller Spuk gegen die Demokratie. Jetzt ist vor allem die Polizei gefragt, die Täter und Hintermänner schnellstmöglich zu finden. Sie muss beweisen, dass sie die Bürger schützt, die sich offensiv den rechten Umtrieben entgegenstellen.

Eine Kampagne der VVN-BdA
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