

"Es muß Schluß sein mit den Aufmärschen der Neonazis"
Gegen einen Fackelzug der NPD in Krefeld hat sich ein breites Bündnis gebildet: Gewerkschaften, Christen, Kommunisten. Gespräch mit Ralf Köpke
Interview: Herbert Schedlbauer
Ralf Köpke ist DGB-Kreisvorsitzender in Krefeld
Für den heutigen Dienstag ruft die NPD in ganz Nordrhein-Westfalen zu einem Fackelzug in Krefeld auf. Motto: "Gedenken der Bombenopfer des 2. Weltkrieges - Ein Licht für Dresden". Was ist an Gegenaktionen geplant?
Vor etwa 14 Tagen hatte der Stadtjugendring die Initiative ergriffen und alle Verbände aufgefordert, gegen den Aufmarsch der Neonazis zu mobilisieren. Die Reaktion war erfreulich: Der DGB, ver.di, andere Gewerkschaften sowie Bürgerinitiativen haben sofort ihre Hilfe angeboten und sich zusammengesetzt. Der nächste Schritt war die Anmeldung der Gegendemonstration. Außerdem haben wir erreicht, daß der Stadtrat einstimmig eine Resolution gegen den Aufmarsch der Neonazis sowie einen Aufruf zur Gegendemonstration verabschiedete. Quer durch alle Parteien.
Wie war die Reaktion auf diesen Aufruf?
Aus Erfahrung wissen wir, daß Resolutionen nicht ausreichen. Es hat sich also außerhalb des Stadtrates sofort ein Bündnis gebildet, in dem alle gesellschaftlichen Schichten vertreten sind. Neben dem Stadtjugendring arbeiten dort Kirchen, Parteien, Ausländervereine und Jugendverbände, DGB und Einzelgewerkschaften mit. Es sind die unterschiedlichsten ideologischen Gruppierungen: SPD, CDU, WASG, Linkspartei, DKP, SDAJ, Jusos und Falken, verschiedene Antifagruppen sowie das Krefelder Sozialforum. Sie alle haben für den heutigen Dienstag zum Widerstand gegen die NPD aufgerufen.
Die Neonazis treffen sich um 19 Uhr in unmittelbarer Nähe des Krefelder Hauptbahnhofes. Welche Gegenaktionen sind geplant?
Der DGB, die Einzelgewerkschaften und das Bündnis treffen sich um 17.00 Uhr am Südwall, Ecke Neusser Straße. Es wird einen Demonstrationszug geben, der auf dem Theaterplatz wenige Meter von der Neonaziroute entfernt enden soll. Auf der Abschlußkundgebung werden gegen 18.30 Uhr Gregor Kathstede, Oberbürgermeister der Stadt Krefeld, sowie Vertreter der katholischen Kirche, des Ausländerbeirates, des Jugendrings und des DGB sprechen. Die Gewerkschaften erinnern daran, daß Krefeld eine Tradition im Kampf gegen rechts hat. Wir werden den Neonazis zeigen, daß sie weder in dieser Stadt noch anderswo erwünscht sind.
Zur Zeit wird wieder verstärkt ein Verbot der NPD in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) hat dazu eine neue Kampagne "NoNPD" gestartet. Halten auch Sie ein Verbot für angebracht?
Meine persönliche Meinung ist, daß diese Partei verboten werden muß. Es muß Schluß sein mit den ständigen Aufmärschen der Neofaschisten. Ich weiß, daß dieses Thema auch in der Gewerkschaft der Polizei diskutiert wird. Die Kollegen sind es leid, ständig für die Unschlüssigkeit der Politik den Kopf hinhalten zu müssen.
Info: Gegenkundgebung am heutigen Dienstag, 17.00 Uhr, Krefeld, Südwall, Ecke Neusser Straße
Link zum Original-Artikel: http://www.jungewelt.de/2007/02-13/044.php