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10.4.2007

Erfahrungsbericht
über das Unterschriftensammeln

140 Unterschriften am Infostand in der Fußgängerzone
in Freiburg


Liebe Freundinnen und Freunde des Antifaschismus,

einen Tag nach der Jahreshauptversammlung der VVN-BdA Freiburg hatten wir am Samstag, 17.3.2007, unseren Infostand am Rande der Freiburger Fußgängerzone, um Unterschriften unter den Appell an die Bundestagsabgeordenten zu sammeln (nonpd - NPD-Verbot jetzt!).

Der Erfolg war - ehrlich gesagt - überraschend und auch überwältigend!

Ab 10 Uhr bauten wir in der jetzt wieder vorherrschenden Kälte gemütlich unseren Stand in der Freiburger Innenstadt auf. Unterstützt wurden wir dabei von einem antifaschistisch orientierten Punk, der nebenan seine "Sitzung" abhielt.

Wir hatten einen Tisch von der Länge eines normalen Tapeziertisches und daran befestigt das neue Transparent des VVN-Bundesverbandes mit der aktuellen Forderung und dem neuen Logo (nonpd - zweifarbig schwarz und rot auf weiss). Dazu einen Steller mit den selben Plakaten auf beiden Seiten. Zunächst führten die für die VVN ungewohnten Farben zu vermehrtem Nachfragen, ob wir jetzt für oder gegen die NPD seien (schwarz-weiss-rot eben). Das konnte schnell geklärt werden. Dann rief ich Parolen, die zur Unterschriftabgabe aufforderten, und wir verteilten unsere Aktionszeitung.

Zweierreihen
vor dem
Infostand

Schon nach kurzer Zeit blieben Passanten und Touristen stehen, ließen sich in kurze Diskussionen verwickeln und unterschrieben meistens problemlos. Später, bei zunehmendem Fussgängerverkehr kam es teilweise soweit, dass nur die Ankündigung, hier könne man für ein Verbot der NPD unterschreiben, zu kleineren Schlangen vor dem Stand führten. So mussten wir stellenweise die Menschen in Zweierreihen vor dem Stand sortieren, da wir nur zwei Unterschreib-Möglichkeiten anbieten konnten.

Auffällig: Ca. 90% wollten gar nicht den Text an die MdBs lesen, den sie da unterschrieben (der war ja auf der Rückseite des Formulars), waren einfach nur froh, dass es endlich diese Möglichkeit zur Unterschrift, zum Tätigwerden gab.

Viele, die unterschrieben, sahen normalbürgerlich aus, waren überwiegend zwischen 40-60 Jahre alt, normales VVN-Alter West eben. Es unterschrieben auch eine ganze Reihe Touristen, z.B. aus Bonn, dem übrigen Baden-Württemberg, aus Norddeutschland, eine Skatgruppe auf Tour aus dem Saarland, Punker aus den Niederlanden, eine in der BRD lebende Frau aus den USA mit ihrer erwachsenen Tochter, zwei Schweizer, eine hier lebende russlanddeutsche Familie, einzelne Jugendliche, einzelne, offensichtlich wohnungslose Menschen mit formalem Wohnsitz in Freiburg.

... etwas
gegen Nazis tun
und offen ein
Verbot der NPD
unterstützen

Wir haben all diese Unterschriften zugelassen, da es sich ja hier nicht um ein formales Volksbegehren an die Stadt, das Land oder eine andere Instsitution handelt. Durch die Unterschrift haben sich die unterschiedlichsten Menschen mit ihrem Namen, ihrer Anschrift, ja mit ihrer ganzen Persönlichkeit dafür eingesetzt, etwas gegen Nazis zu tun, ja offen ein Verbot der derzeitigen Hauptpartei der Nazis, der NPD zu unterstützen.

Insofern hatte die Solidarisierung vieler Menschen mit unserem Stand und seinen Inhalten zeitweise fast "Volksfest-Charakter" angenommen. Hier soll nicht übertrieben werden, aber es war für uns und einige uns unterstützende Sympathisanten schon überwältigend, wie die "Botschaft" ankam. Viele Jugendliche nahmen spontan Aufkleber mit der Forderung nach NPD-Verbot mit, die Aktionszeitungen waren bereits nach zweieinhalb Stunden vollständig verteilt. Eine Lehrerin nahm mehrere Zeitungen mit für ihren politischen Unterricht an einem Freiburger Gymnasium. Zwei ältere Menschen waren am Stand, die sehr bewegend schilderten, dass nahe Verwandte im Konzentrationslager gefangen waren. Einer davon aus dem katholischen Bereich, der auch die Zusammenarbeit mit Kommunisten gegen Nazis in Ordnung fand. Es gabe viele Fragen zum Organisator des Ganzen, der VVN-BdA.

Zu unserer Überraschung war die VVN bei vielen Menschen zwischen 40-60 Jahren sehr bekannt, alle nahmen auf Auffordernung den Info-Prospekt der VVN-BdA (Bundesverband) zusätzlich mit, um sich über uns zu informieren. Leider gibt es darin keinen Stempel mit unserer aktuellen Freiburger Adresse und Erreichbarkeit. Ein Umstand, den wir unbedingt ändern müssen, wenn wir erreichen möchten, dass interessierte Menschen mit uns Kontakt aufnehmen können und nicht erst zum Bundesverband nach Berlin schreiben müssen.

Auch Menschen, die gegen die NPD waren, aber sich von einem Verbot nichts versprachen, haben meistens nach einer Diskussion trotzdem unterschrieben. Dies waren alleine sieben bis acht Personen.


Was waren die allgemein häufigsten Fragen?

  1. Können wir auch unterschreiben, wenn wir nicht in Freiburg wohnen?
  2. Wenn wir nicht in Deutschland wohnen? (Freiburg im Dreiländereck)
  3. Wohin gehen die Unterschriften?
  4. Was bringt ein Verbot?
  5. Warum ist das Logo der Aktion in schwarz-weiss-rot, den Farben der aggressivsten Nazis?
  6. (eher selten:) Bin ich sicher, dass die Unterschriften nicht an die NPD gehen?

Nicht unterschrieben hat einseitig die Generation der über 75-jährigen, also die, die noch selbst als Kinder und Jugendliche in den Massenorganisationen des NS, also der Hitlerjugend und dem Bunddeutscher Mädel (BDM) organisiert gewesen sein müssen.

Viele junge Menschen unter 22 Jahren waren interessiert und wollten unterschreiben. Eher weniger Studetinnen und Studenten haben unterschrieben. Leute aus dem Freiburger Umland haben weniger unterschrieben als Menschen, die als Touristen in Freiburg oder zu Reha-Maßnahmen hier in den diversen Kliniken waren.

Es gab sehr viel Interesse an Aufklebern. Ca. jede/r Dritte bis Vierte wollte Infos zum Initiator, der VVN-BdA. Es gab nur minimale Pöbeleien. Wir hatten auch keine Angst, dass uns NPDler stören würden oder dass die Anti-Antifa uns fotografiert. Als Standschutz standen daneben zwei Menschen bereit, die im Zweifelsfall eingegriffen hätten.

140 Unterschriften
in 3,5 Stunden

Das Ergebnis waren etwas über 140 Unterschriften in der reinen Sammelzeit von 3,5 Stunden.

Die nächsten am selben Platz angemeldeten Stände sind am Samstag, 14. April, und Samstag, 28. April. Ich wünsche uns weiterhin viel Erfolg beim kurzfristigen Erreichen der von der VVN-BdA Freiburg anvisierten 500 Unterschriften für Freiburg.

Rüdiger Deissler, Freiburg
Eine Kampagne der VVN-BdA
© Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten