

Bericht:
Ausstellungseröffnung in Weimar
"Der zweite Sonntag im September.
Zur Geschichte des OdF-Tages"
Am 27. Januar 2007 wurde in Weimar die Ausstellung "Der zweite Sonntag im September. Zur Geschichte des OdF-Tages" eröffnet. Oberbürgermeister Stefan Wolf sprach ein Grußwort, in dem er auch auf die Kampagne "NPD-Verbot jetzt!" der VVN-BdA einging.
Zur Ausstellungseröffnung waren über 100 Besucher ins Stadtmuseum im Bertuchhaus gekommen. Nach der Rede des Oberbürgermeisters erläuterten Hans Coppi und Nicole Warmbold die Exponate der von ihnen konzipierten Ausstellung.
Oberbürgermeister Stefan Wolf ist einer der Erstunterzeichner der Kampagne "NPD-Verbot jetzt!". In seiner Rede bat er die Bürgerinnen und Bürger Weimars, seinem Beispiel zu folgen. Damit setzt Weimar als Gründungsort der ersten Deutschen Republik ein bundesweites Signal gegen Rechts.
Im Folgenden dokumentieren wir die Rede des OB:
Sehr verehrter Herr Dr. Coppi, Kurator der Ausstellung
sehr geehrte Frau Dr. Warmbold, Kuratorin der Ausstellung
sehr geehrte Stadträte (sofern anwesend),
meine sehr geehrten Damen und Herren!
Heute ist ein denkwürdiger Tag. Vor 60 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Ein ungeheurer Zivilisationsbruch wurde offenbar: der Massenmord an mehr als einer Million Juden aus ganz Europa - und Tausender Polen, Roma und russischer Kriegsgefangener.
Seit 1995, als der damalige Bundespräsident Roman Herzog anregte, diesen Tag als Gedenktag zu begehen, ist er auch und gerade in Weimar ein Tag der Erinnerung.
Die Stadt hat angesichts des KZ Buchenwald vor ihren Toren eine ganz besondere Verpflichtung, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. "Zwischen uns und Weimar steht Buchenwald", so formulierte es Richard Alewyn nach seiner Rückkehr aus dem Exil. Seitdem ist die Ambivalenz dieses deutschen Schicksalsortes immer wieder thematisiert worden. Die Stadt Weimar ist der Auseinandersetzung mit diesem Kapitel ihrer Geschichte nie ausgewichen. In den letzten Jahren ist so viel zu diesem Thema geforscht und publiziert worden, dass man schon von einer eigenen Geschichte dieses Aufarbeitungsprozesses sprechen kann.
Das jüngste Beispiel dafür ist das digitale Bildarchiv der Gedenkstätte Buchenwald, das seit gestern im Internet steht. Es handelt sich um die erste wissenschaftlich aufgearbeitete Bildsammlung zu einem Konzentrationslager. Seit 2001 wurde an diesem Projekt gearbeitet, dessen Ergebnisse nun weltweit jedermann zur Verfügung stehen.
Der 27. Januar war und ist in Weimar ein wichtiger Gedenktag. Vor allem bedeutende Gäste wie Kurt Julius Goldstein oder Wolfgang Nossen, dessen mahnende und bewegende Rede vor zwei Jahren sich mir sehr eingeprägt hat, machten diesen Tag zu einem ganz besonderen Ereignis.
Ich freue mich, dass wir auch heute wichtige Gäste unter uns haben, und begrüße herzlich die Kuratoren der zu eröffnenden Ausstellung, Herrn Dr. Hans Coppi und Frau Dr. Nicole Warmbold.
Es ist für unsere Stadt eine ganz besondere Freude und Ehre, Sie Herrn Dr. Coppi, erstmals in Weimar begrüßen zu können.
Ihnen liegt das Thema dieser Tafelausstellung, die die Geschichte des Tages der Opfer des Faschismus aufarbeitet, in besonderer Weise nahe. Als Sohn von Hans und Hilde Coppi, die als Mitglieder der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" hingerichtet wurden, hat Sie die Geschichte des Widerstandes gegen die Naziherrschaft und das Gedenken daran immer bewegt. Dafür sprechen Ihre Publikationen: die biographische Studie über Harro Schulze Boysen; mit der Sie promovierten, und zahlreiche weitere Veröffentlichungen zur "Roten Kapelle".
Heute bringen Sie uns eine wichtige Ausstellung, die Sie gemeinsam mit Frau Dr. Warmbold erarbeitet haben.
Schon der Titel "Der zweite Sonntag im September" macht uns die im öffentlichen Bewusstsein weitgehend verschüttete Tatsache wieder bewusst, dass die Erinnerung an die Opfer des Faschismus eine lange Geschichte hat. Denn das Gedenken begann nicht erst 1996, sondern schon im Herbst 1945, als Überlebende der KZ und Haftstätten erstmals einen "Tag der Opfer des Faschismus" initiierten. Mit Beginn des Kalten Krieges teilte sich das bis dahin von einem breiten antifaschistischen Konsens getragene Gedenken in zwei unterschiedliche Gedenkkulturen in Ost und West ...
Die politisch brisante Geschichte dieses Tages, des "Zweiten Sonntags im September", haben Sie gemeinsam mit Frau Dr. Warmbold erforscht und auf eindringliche Weise dargestellt. An der Geschichte dieses einen Tages wird die unterschiedliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten in nuce deutlich. Und so ist diese Ausstellung nicht nur im Sinne unserer Erinnerungskultur, sondern auch für ein besseres Verständnis der Deutschen in Ost und West wichtig.
Ich freue mich auch, mit Ihnen, Herr Dr. Coppi, den Landesvorsitzenden des VVN-BdA Berlin, in Weimar zu begrüßen.
Der VVN-BdA hat gerade durch seine Aktion "NPD-Verbot jetzt!" auf sich aufmerksam gemacht. Zu den Erstunterzeichnern auf den nun bundesweit ausliegenden Unterschriftenlisten gehören z.B. der in Weimar gut bekannte Professor Paul Raabe und Ludwig Baumann, der durch seinen dreißig Jahre währenden Kampf um die Anerkennung der Wehrmachtsdeserteure als Verfolgte des Naziregimes bekannt geworden ist.
Es ist mir persönlich ein Ehre, mich an die Seite dieser Persönlichkeiten zu stellen und für Weimar als Erster zu unterschreiben. Ich hoffe, dass viele Bürger Weimars meinem Beispiel folgen werden.
Denn gerade in der Stadt, die Hitler liebte und die daher auch heute immer wieder ein Ziel rechtsextremer Aufmärsche ist, ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen.
Die Bürger Weimars haben sich immer wieder verwahrt gegen eine Vereinnahmung ihrer Stadt durch die ewig Gestrigen. Sie haben nicht verstanden, warum eine Demokratie nicht wehrhaft und das heißt mit allen Möglichkeiten des Gesetzes gegen diejenigen vorgeht, die das Grundgesetz nicht achten und zur Durchsetzung ihrer politischen Ideologie Gewalt propagieren.
Für Weimar, die Stadt im Schatten des Ettersberges, ist die Ausstellung, die wir heute im Stadtmuseum eröffnen, wichtig. Ich wünsche ihr viele, vor allem junge Besucher.
Und ich hoffe, dass viele dieser Besucher nicht nur historisch interessiert sind, sondern aktiv die gegenwärtige Aktion für ein NPD-Verbot unterstützen.
Oberbürgermeister von Weimar